Kreative Naturfotografie und Mee(h)r

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Bikepacking in Schottland

 

Schottland im August. Eigentlich klingt das nach Sommer. In der Praxis lernt man allerdings ziemlich schnell, dass „Sommer“ auf den Hebriden ein dehnbarer Begriff ist.


Unsere Reise führte uns mit den Rädern über die Äußeren Hebriden und weiter Richtung Isle of Skye. Schon nach kurzer Zeit war klar: Hier bestimmt nicht der Reiseplan den Rhythmus, sondern vor allem das Wetter. Wind, Regen und immer wieder die Frage, was hinter der nächsten Wolke wartet. Manchmal tatsächlich die Sonne.


Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – hat uns diese Landschaft sofort gepackt. Kilometerlange Straßen, auf denen uns kaum ein Auto begegnete. Links das Meer, rechts Moor, irgendwo Schafe und am Horizont Berge, die ständig ihr Aussehen veränderten. Mal lagen sie dunkel unter schweren Wolken, eine halbe Stunde später brach plötzlich Licht durch und die Landschaft sah vollkommen anders aus.


Besonders beeindruckend war diese unglaubliche Weite. Es gab Abschnitte, auf denen wir kilometerweit unterwegs waren, ohne einem Menschen zu begegnen. Keine Häuser, keine Geschäfte, kein Verkehr. Nur die schmale Straße, das Rad, der Wind und diese raue Landschaft. Ein Gefühl von Freiheit, das man im Alltag nur selten erlebt.


Unsere Zeltplätze passten dazu. Manchmal standen wir fast allein irgendwo zwischen Meer, Dünen und Wiesen. Abends im Zelt liegen und draußen Wind und Regen hören – das kann ausgesprochen gemütlich sein. Vorausgesetzt, das Zelt steht bereits und man muss nicht mehr hinaus.


Denn natürlich gab es auch die andere Seite. Regen, der nicht nach einer halben Stunde wieder aufhörte. Wind, der aus einer normalen Etappe plötzlich eine ziemlich sportliche Angelegenheit machte. Nasse Kleidung. Kalte Hände. Und Momente, in denen der innere Schweinehund durchaus überzeugende Argumente dafür hatte, einfach irgendwo im Trockenen zu bleiben.


Aber genau diese Tage gehören im Nachhinein genauso zur Reise. Morgens aus dem Zelt schauen, einen grauen Himmel sehen, sich trotzdem aufs Rad setzen – und irgendwann feststellen, dass man längst wieder mitten in einem großartigen Tag steckt. Weil plötzlich das Meer auftaucht. Weil sich die Wolken für zehn Minuten öffnen. Oder weil hinter irgendeiner unscheinbaren Kurve eine Landschaft liegt, bei der man automatisch anhält.


Was ebenfalls hängen geblieben ist, sind die Menschen. Immer wieder begegneten uns eine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die vollkommen selbstverständlich wirkten. Ein kurzer Plausch, ein guter Tipp, ehrliches Interesse daran, woher wir kommen und wohin wir noch wollen. Gerade in dieser dünn besiedelten Gegend hatten solche Begegnungen etwas Besonderes.


Und dann Skye. Noch einmal anders als die Hebriden: dramatischer, bergiger, an vielen Stellen wilder. Wolken hingen zwischen den Bergen, Wasserfälle liefen die Hänge hinunter und das Wetter wechselte teilweise schneller, als man die Regenjacke an- und wieder ausziehen konnte. Schottland zeigte hier noch einmal ziemlich eindrucksvoll, warum man nicht wegen einer Schönwettergarantie hierherkommt.


Am Ende war diese Reise deshalb viel mehr als eine Fahrradtour durch eine spektakuläre Landschaft. Sie war ein kleines Abenteuer. Nicht im Sinne großer Gefahren oder Heldengeschichten, sondern durch die vielen kleinen Herausforderungen: morgens wieder losfahren, obwohl es regnet. Gegen den Wind ankämpfen. Einen einsamen Platz für die Nacht finden. Improvisieren, wenn etwas anders läuft als geplant. Und zwischendurch einfach stehen bleiben und begreifen, wie außergewöhnlich der Ort ist, an dem man gerade unterwegs ist.


Unser Fazit: Die Hebriden und Skye machen es einem nicht immer bequem. Dafür bekommt man Landschaften, Weite, Stille und Erlebnisse, die sich nicht planen lassen. Und wenn wir an diese Reise zurückdenken, erinnern wir uns an leere Straßen, einsame Strände, das Licht über dem Atlantik, unser Zelt irgendwo im Nirgendwo, freundliche Begegnungen und dieses besondere Gefühl, morgens nicht genau zu wissen, was der Tag bringen wird.

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